Offener Biss und seine Bedeutung für die Kieferorthopädie Herausforderungen und Lösungen
- 10. Sept. 2025
- 27 Min. Lesezeit

Lernziele
Verständnis des offenen Bisses: Erkennen, was ein anteriorer offener Biss (AOB) ist und welche Auswirkungen diese Fehlstellung auf Ästhetik, Sprache und Kauffunktion haben kann.
Ursachen & Risikofaktoren: Kennenlernen der multifaktoriellen Ursachen (Habits wie Daumenlutschen, Zungenpressen, genetische Veranlagung etc.) und Risikofaktoren (z. B. Mundatmung, iatrogene Faktoren) für die Entstehung eines offenen Bisses.
Therapieoptionen verstehen: Überblick über Behandlungsoptionen für AOB (kieferorthopädisch vs. chirurgisch, Alignerschienen vs. konventionelle Apparaturen) und deren Grenzen, einschließlich Evidenzlage zu Erfolgsaussichten und Langzeitstabilitätpubmed.ncbi.nlm.nih.gov.
Evidenz & Bias einschätzen: Fähigkeit, Studien zur AOB-Behandlung kritisch zu bewerten (Evidenzniveau nach Ampelsystem 🟢🟡🔴) und mögliche Bias (Interessenkonflikte, Autorencluster, Publikationsverzerrungen) zu erkennen, um fundierte Therapieentscheidungen zu treffen.
Kernbotschaften (Take-Home)
Prävalenz: Ein anteriorer offener Biss tritt in etwa 5 % der Allgemeinbevölkerung auf, wobei bei kieferorthopädischen Patienten mit skelettalen Fehlbissen Prävalenzraten bis zu ~17 % beobachtet werden. Damit ist AOB keine seltene Anomalie – eine frühe Erkennung ist wichtig.
Multifaktorielle Genese: Die Entstehung des offenen Bisses ist meist multikausal. Häufig spielen Habits (Schnullergebrauch, Daumenlutschen) und eine falsche Zungenlage/Zungenstoß sowie ungünstige Wachstumsmuster (genetische Veranlagung zum „langen Gesicht“) eine Rolle. Auch vergrößerte Rachenmandeln (Mundatmung) oder ein vergrößerter Zungenkörper (Makroglossie) können beitragen. Die Konsequenzen sind erheblich: Offene Bisse beeinträchtigen Sprachbildung, Kauleistung und Ästhetik und reduzieren nachweislich die Lebensqualität.
Therapie ist anspruchsvoll: Die Korrektur eines offenen Bisses gilt als besonders herausfordernd in der KFO und ist rezidivanfälligpubmed.ncbi.nlm.nih.govpubmed.ncbi.nlm.nih.gov. Dennoch zeigen Langzeitstudien, dass sowohl chirurgische als auch nicht-chirurgische Therapien eine Erfolgsrate von ca. 75–82 % erreichen (d. h. so viele Patienten behalten einen positiven Überbiss ≥12 Monate nach Behandlung)pubmed.ncbi.nlm.nih.gov. Chirurgische Behandlungen weisen tendenziell etwas höhere Stabilitätsraten auf (bis ~82–100 %) als rein kieferorthopädische Ansätze (~62–97 %)pmc.ncbi.nlm.nih.gov, doch insgesamt ist bei sorgfältiger Planung auch ohne Chirurgie eine dauerhafte Überbisskorrektur bei ~3 von 4 Patienten möglich.
Aligner vs. feste Spange: Aktuelle Studien zeigen, dass transparente Alignerschienen (z. B. Invisalign) leichte bis moderate offene Bisse erfolgreich korrigieren können – jedoch werden die virtuell geplanten Zahnbewegungen klinisch oft nicht vollständig erreicht. In einer neuen Studie wurden z. B. im Durchschnitt nur ~66 % der im ClinCheck® programmierten Bissschließung tatsächlich erzielt. Konventionelle feste Apparaturen (Brackets) erzielen vergleichbare Korrekturerfolge, teils sogar etwas größere Überbissverbesserungen. Wichtig: Beide Methoden schließen den offenen Biss hauptsächlich durch Frontzahn-Extrusion; ein tatsächliches kontrolliertes Einwirken auf die hinteren Zähne (Molareneintrusion) ist begrenzt und erfordert oft zusätzliche Maßnahmen.
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